|
|
 |
Wie kamen Sie für Ihr neues Buch auf das Thema Sucht? Wo immer ich lebte, unter Autoren oder Politikern, überall spielte Sucht eine Rolle.
Und Sie selber? Zwanzig Jahre lang war ich nikotinsüchtig, und wie hätte ich als Abgeordneter in einem bayerischen Gebirgswahlkreis trocken durchkommen sollen?
Macht Politik süchtig? Das auch.
Aber die illegalen Drogen? Junkie-Katastrophen, die ich nah erlebte, vor allem das Mitgefangensein der Angehörigen, machten mir sehr zu schaffen.
Das macht noch nicht kompetent für ein Buch – oder wie sehen Sie das? Als Sucht auch in der eigenen Familie einschlug, änderte sich alles. Wir anderen drei mussten erst einmal lernen, was da geschah. Und dann merkten wir, wie viele rings um uns herum ebenso ratlos waren wie wir.
Wie haben Sie sich das nötige Wissen beigebracht? Ich habe einen meiner früheren Romane an mehrere Klinikchefs geschickt, um zu zeigen, dass es mir nicht um Sensationen geht, und ich habe sie gebeten, bei ihnen hospitieren zu können.
Und das hat geklappt? Ja. Während längerer Zeit habe ich tage- oder wochenweise in der Aufnahme der Inneren Medizin in einem großen Krankenhaus miterleben können, wie es da zuging, und ich wurde auch ein bisschen als Laienhelfer angestellt. Danach konnte ich auf einer Entzugsstation einiges lernen. Am wichtigsten war, dass ich in einer Langzeit- Therapieklinik für mehrfach abhängige Suchtkranke mit dem Team, der Großgruppe und auch einzelnen Kleingruppen arbeiten durfte.
Wieso haben Junkies, Alkis und Spieler Sie an sich herangelassen? Natürlich wollten Sie wissen, warum ich bei ihnen mitmachen wollte. Da habe ich ihnen die Frage gestellt, um die es mir wirklich ging: "Kann ein Vater auch etwas richtig machen?" Diese Frage hat sie erreicht und mir vieles geöffnet. In der Therapie haben mich dann manche wie einen Ersatzvater hart hergenommen. Ich werde diese Zeit nie vergessen.
Und warum haben Sie sich für einen Roman entschieden? Bevor die Kliniken mich in ihren Alltag einbezogen, musste ich mich verpflichten, Personen und Situationen nicht so unmittelbar wiederzugeben, dass sie zu identifizieren seien. So ergab sich die erzählende Form als Bedingung. Orte und Figuren der Handlung sind auf übertragene Weise authentisch. Der "Fernwanderweg" ist für mich der lange Weg in die Sucht und, wenn es gut geht, der lange Weg aus der Sucht wieder heraus. Vielleicht besitzt das mehr von der Realität hinter den Dingen.
zurück zum Buch
|
 |